Nassauischer Kunstverein Wiesbaden
29.11.2024 - 23.2.2025
Die historische Villa, in der sich der Nassauische Kunstverein Wiesbaden befindet, wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Mietshaus mit Wohnungen konzipiert. In Auseinandersetzung mit der ursprünglichen Funktion und Bedeutung des Gebäudes realisierten Heiner Blum und Jakob Sturm mit dem Kunstverein im Rahmen des Kooperationsprojekts Interior ein partizipatives Ausstellungsprojekt, das sich mit dem Thema Wohnen auseinandersetzt.
Mit Moving Boxes verwandelten sich die Räumlichkeiten in eine lebendige Bühne für Wohnexperimente, Alltag, Austausch und Begegnungen. Es ging darum, das kommunikative und soziale Potential des Ortes gemeinsam mit eingeladenen Künstler:innen, dem Publikum und verschiedenen Akteuer:innen zu befragen:
»Im Laufe unseres Lebens wechseln wir vielfach die Orte, an denen wir wohnen. Nicht nur Möbel werden bewegt, sondern auch die vielen kleinen und großen Dinge, mit denen wir uns umgeben. Sorgfältig in Umzugskartons verpackt, wechseln auch sie den Ort, um an neuer Stelle wieder aktiviert zu werden. Umzugskartons sind wesentlicher Teil der Umzugsmasse und Transferbehälter für die Dinge, die unsere Biografien begleiten.
Das Projekt Moving Boxes gibt den Kartons eine Bühne. Sie verkörpern zeichenhaft und real die Mobilität der Menschen unserer Zeit. Wie wäre es, wenn sie nicht nur alsTransportmittel für die Dinge, sondern auch in unterschiedlichen Formaten selbst als Raum genutzt würden? In Zeiten steigender Wohnungspreise eröffnen Kartons spannende Möglichkeiten, Wohnraum neu zu denken. Wie wäre es, allein, mit Freunden oder Fremden in einem Karton zu leben, zu arbeiten, zu feiern, zu verweilen und zu träumen? Diese Fragestellungen werden mit Moving Boxes modellhaft untersucht.
Viele Menschen teilen die Kindheitserinnerung, als bei der Lieferung eines großen Haushaltsgeräts plötzlich ein in kindlichen Maßstäben überlebensgroßer Karton im Raum oder an der Straße stand, der als temporäre Bleibe, als Spielort, Versteck und Raum für unbegrenzte Möglichkeiten genutzt werden konnte. An den großen, aber begrenzten, den Körper umgebenden Raum knüpfte sich ein Gefühl der Freiheit und Selbstermächtigung, das mit Moving Boxes aktiviert werden soll.«
Für Moving Boxes entstanden mit einem überdimensionalen, eigens dafür konzipierten, vielteiligen Karton-System auf den Etagen des Nassauischen Kunstvereins variantenreiche Raum-im-Raum Situationen.
Über mehrere Wochen verwandelte sich der Kunstverein in immer neue Szenarien der Raumaneignung und Umnutzung.
Was zur Eröffnung aussah wie ein unberührbares Minimal Art Arrangement, denken wir an Raum 19 von Imi Knoebel, Pappskulpturen von Charlotte Posenenske oder serielle Kubus Anordnungen von Donald Judd, wandelte sich in eine offene, oft anarchische Szenerie, in der aus Betrachter:innen Nutzer:innen, Gestalter:innen und Bewohner:innen wurden.
Die Moving Boxes ergänzten und unterwanderten den White Cube des Kunstvereins und bildeten eine gestaltungsoffene Substruktur. Wie an einem Strand wurden in einer Woche Strukturen gebaut und ausgetestet, ein paar Tage später war alles wieder offen. Von Woche zu Woche brachten Gast-Künstler:innen, regionale Initiativen, kreative Gruppen und Einzelpersonen generations- und kulturübergreifend immer neue thematische Impulse in das Projekt ein.
Inmitten des stetigen Wandels gab es aktive Fixpunkte, die den Prozess begleiteten:
Die Kiosk-Box versorgt die Gäste mit Getränken, Süssigkeiten und Snacks und hielt Werkzeug, Marker und Material bereit.
Über die Gesamtdauer des Projekts waren die Besucher:innen eingeladen, vorbereitete Demoschilder mit ihren Gedanken, Bildern und Forderungen zum Thema Wohnen eigenhändig zu beschriften.
Die Wallpaper-Gallery bot in Form von tapezierten Postern historische, soziokulturelle und künstlerische Perspektiven zum Thema Wohnen und Urbanität.
Moving Boxes bot als ein sich ständig verändernder, offener Möglichkeitsraum Platz für Ruhe und Aktivität, für Lectures, Gespräche, Performance, Parties und alles, was noch zu erfinden war.
Moving Boxes war Teil des multiinstitutionellen Kooperationsprojekts Interior, anlässlich dessen sechs verschiedene Kultureinrichtungen im Rhein-Main-Gebiet ihre Geschichte als ehemalige Wohngebäude reflektierten.
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Moving Boxes Programm
MB 1 / 28.11 - 01.12.2024
Basis Camp
28.11.24 Eröffnung
29.11.24 / Vortrag / Dr. Brigitte Streich: »Von der bürgerlichen Kunstsammlung bis Follow Fluxus.
Zur Geschichte des Nassauischen Kunstvereins Wiesbaden«
30.11. 24 / Moving Boxes Move-In Party / Sixcinq Showcase mit Genuiné, Napo, Poizn und GrvGmbH
MB 2 / 05.12 - 08.12.2024
Noa Vetter / Möbelmanufaktur
6.12.24 / Konzert / Anna Lucia Nissen
MB 3 / 12.12 - 15.12.2024
Lenny Westend / Hochhauz / Plattenbau Projektionen
12.12.24 / Vortrags- und Gesprächsabend / Martin Maleschka und Lenny Westend / Fünfzig-Fünfzig
14.12.24 / Plattenbau Konzerte / Hochhauz Happening mit Jorinho95, Buffalo, Bailape und Gangsta Zen
MB 4 / 19.12 - 05.01.2025
Stefan Häfner / Die Zukunftsstadt
19.12.24 / Vortrag und Führung / Christiane Cuticchio / Die Zukunftsstadt
MB 5 / 09.01 - 19.01.2025
Jakob Sturm / Orte möglichen Wohnens / Projektionen
10.1.25 / Vortrag und Führung / Jakob Sturm / Orte möglichen Wohnens
11.1.25 / Musik-Performance / Niclas Ciriacy plays Cardboard
17.1.25 / Lesung / Jakob Sturm / Orte möglichen Wohnens
MB 6 / 23.01 - 02.02..2025
Leonie Englert / Finding Shelter / Installation
23.1.25 / Vortrag / Dr. Sarah Klosterkamp / Moving Boxes, Moving Stories
1.2.25 / Vortrag / Oliver Elser / Protestarchitektur
MB 7 / 06.02 - 09.02.2025
Max Brück / Care / Partizipative Paketstation
Regionale Diakonie Wiesbaden / Hausfliesenbruch / Aktion und Installation
7.2.25 / Gesprächsrunde / Care / Hausfliesenbruch / mit Alexander Trauten, Sophia Schneider, Max Brück, Lotte Dinse und Erfahrungsexpert:innen
MB 8 / 13.02 - 23.02.2025
Moving City / Anita Neukirch, Isabell Ratzinger, Leonie Englert, Marco Poblete, Martin Wenzel, Max Brück, Monika Linhard / Sonja Herrmann, Rushy Diamond / In den letzten beiden Wochen von Moving Boxes übernahmen neun Künstler:innen die Szenerie und verwandelten die Kartonlandschaft in eine lebendige Stadt.
21.2.25 / Vortrag und Gespräch / NiKa / Ein Hausprojekt im Bahnhofsviertel Frankfurt a.M. / mit Mario Como und Nadine Wagner / Moderation Selina Hammer
22.2.25 / Moving Out Party in Kooperation mit Jukt / DJs Boogie Eff und Schmixi
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Moving Boxes
Konzept, Kuration, Organisation Heiner Blum und Jakob Sturm
in Zusammenarbeit mit Lotte Dinse und Selina Hammer
Host NKV Lotte Dinse
Team NKV Bo In Oh, Christina Redeker, Erikas Ingber …
Technik NKV Thomas Reimann
Projektassistenz Selina Hammer
Technik Team Diamant Mignon Vahl, Jasmin Delic
Auf- und Umbauten Anton Benkel, Lukas, Mykyta Manuilov, Valentin
Projektförderung Kulturfonds Rhein-Main
Fotodokumentation HB, Selina Hammer (5)